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Der Name Wessiepe


Regionale Verbreitung der Flurbezeichnung 'Siepe' in Strassennamen
Verbreitung der Flurbezeichnung "siepe"

Der Name Wessiepe leitet sich von der Flurbezeichnung Siepen ab. In der mittelniederdeutschen Sprache wird damit ein kleiner (tröpfelnder) Bach bezeichnet. Wie man noch heute aus dem Vorkommen von Strassen- und Ortsnamen mit dem Bestandteil "siepe" erschließen kann (s. Abb.), ist die Verwendung als Flurname regional begrenzt und erstreckt sich vor allem auf das Bergische Land sowie das Sauerland.

Im Namen Wessiepe lässt sich das Bestimmungswort "Wes" zum Grundwort "Siepen" nicht allein aus dem Namen erschliessen. Und auch die auftretenden Namensvarianten "Westsiepen", "Wesiepe" oder "Wersiepe" können nur als Anhaltspunkt dienen, da sich diese Namensgebungen erst im 19. Jahrhundert nachweisen lassen, wohingegen der Name Wessiepe bis ins 18. Jahrhundert zurück belegt ist. Fest steht aber auch, dass die Bezeichnungen "Wesiepe" und "Wersiepe" zum Teil synonym mit "Wessiepe" verwendet worden sind.

Der Deilbach und seine Zuflüsse bei Langenberg
Der Deilbach und seine Zuflüsse bei Langenberg

Interessant ist nun, dass es in Langenberg einen Siepen mit der Bezeichnung "Wessiepen" gegeben haben soll, jedenfalls wenn man den Aussagen von Wilhelm Ophüls in seinem Buch über "Alt-Langenberg" von 1936 folgt. Darin heißt es in einer Beschreibung zum Deilbach:
"Dicht am Fuße der steilen märkischen Höhen, die er [der Deilbach] zur Rechten hat, liegt ein sumpfiges, oft bruchartiges Wiesental, das er in mäandrischen, manchmal fast einen Kreis beschreibenden Windungen durchströmt. Von der Steilseite empfängt er nur Zuflüsse aus kleinen, sogenannten Siepen [...], insbesondere den Kalversiepen und Wessiepen."
Und an anderer Stelle beschreibt er, dass ein alter Weg "durch den Wessiepen zwischen dem Brill und dem Hansberge hindurch zum Deilbach" führte.
Nimmt man nun eine aktuelle Karte von Langenberg, so ergibt sich folgendes Bild (s. Abb.): Von der (märkischen) Steilseite her fließen dem Deilbach im wesentlichen zwei Bäche zu. Neben dem einen Bachlauf, deren drei Verzweigungen heute "Kinkhauser Bach", "Reitwegbach" und "Vogelsbach" genannt werden, verläuft die Strasse "Kalversiepen". Der andere Bach ist der Hordtbach. Es liegt also nach der Beschreibung von Ophüls nahe, dass der Hordtbach in früheren Zeiten "Wessiepen" genannt wurde, so wie der Bachlauf neben der Strasse "Kalversiepen" wohl auch die Bezeichnung "Kalversiepen" getragen hat.

Mittelalterliches Fischwehr
Mittelalterliches Fischwehr

Versucht man noch einmal mit dem Blick auf die gerade skizzierte geographische Lage des Wessiepen, seinen Namensursprung herzuleiten, so wird man die Deutung "West-Siepen" (im Gegensatz zu einem "Ost-Siepen"?) wohl ausschliessen können. Wahrscheinlicher ist da schon die Annahme, dass es neben einem "Kälber-Siepen" (dort wo die Kälber sind) auch einen "We(h)r-Siepen" gegeben haben könnte, wobei das (Fisch-)Wehr (s. Abb.) sicherlich nicht im Siepen sondern im Deilbach gestanden haben muss. Der Wersiepen könnte demnach "der Siepen, da wo das Wehr ist" gewesen sein.